Station 6: „Am Grillental“
Gibt es wirklich eine Zwergin am Wiesenbek?
Hallo Zwergenkumpel! Na, das war ja eine tolle Geschichte, die mir mein Freund Wuschel, das Eichhörnchen, da berichtete: Ein wundersames, bunt schillerndes Wasserwesen, das bei Vollmond im Teich badet, auf ein Zeichen einer alten grauen Hexe das Wasser verlässt und sich auf dem Weg zum Ufer in eine Zwergin verwandelt… Also so etwas ist mir, Friedel dem Wächterzwerg, in all meinen Jahren hier in Bad Lauterberg noch nicht zu Ohren gekommen. Gut, dass mir das säuselnde Wasser des Hüttengrabens zugeflüstert hat, dass jemand Hilfe braucht.
Und vielen Dank nochmal, dass Du mir helfen willst, das Mysterium aufzuklären. Ich habe beschlossen, mich auf die Suche nach der Zwergin zu begeben. Irgendwo am Wiesenbek muss sie ja wohnen, vielleicht entdecken wir sie zusammen.
Um gut auf eine Begegnung mit der grauen Hexe vorbereitet zu sein, wollte ich mir vorher Rat bei den freundlichen Hexen von Bad Lauterberg holen, die hier ganz in der Nähe, aber gut verborgen tief im Wald zum Winkeltal wohnen. Der Eingang zu ihrem Hexenreich ist ein großer, mächtiger Baum mit knorrigen Ästen, die beinahe wie Schlangen, Drachen oder Raubvögel aussehen. Natürlich kommt man als Zwerg oder Menschenkind nicht einfach so hinein – aber zum Glück weiß ich den Hexenspruch, den man aufsagen muss, um eine von ihnen zu treffen: „5 Schwestern wohnen in einem Haus, aber nur eine darf hinaus…“ – dies muss man sagen, wenn man vor dem großen Baum steht. Und wie findet man den Baum? Tja, das weiß ich auch nicht so genau, eigentlich findet er mich … Ich gehe immer tief in den Wald, schließe meine Augen und stelle mir vor, da zu sein … und was soll ich Dir sagen – plötzlich stehe ich vor dem Baum.
Wie ich also tief im Wald war und mein Sprüchlein aufsagte, trat aus dem Baum die Hexe „LaLuna“ hervor. Sie war ganz in Blau gekleidet und an ihrem Hexenhut baumelte ein funkelnder Stern, denn sie war eine Mondschein-Hexe. Ich berichtete LaLuna, was vorgefallen war, und fragte sie, ob sie die graue Hexe kenne, die bei dem Wasserwesen gehockt hatte. „Das muss unsere Schwester ‚Coloratia‘ gewesen sein“, begann LaLuna zu berichten:
„Vor vielen Monaten wohnte sie noch bei uns und führte ein buntes Leben. Eines Tages jedoch verlor sie ihren ‚Farbstein‘, mit dem wir Hexen uns alle Farben herbeiwünschen können. Bei einem Ausflug zu den Granitfelsen fiel er ihr in eine tiefe Erdspalte – und war verschwunden … Das Granitgestein hat eine so hohe Dichte, dass unsere Hexensprüche dort nicht wirken … Und so verlor Coloratia all ihre Farben, wurde trist und grau. Von da an hielt sie sich fern von uns und zog sich ins hinterste Grillental zurück.“
„Und wie kann ich sie finden?“, fragte ich. „Coloratia liebt bunte Farben über alles, weil sie selbst keine mehr haben kann. Am besten, du gehst mit etwas Buntem ins Grillental und wartest ab, was passiert“, gab mir LaLuna den Tipp. Und das wollte ich tun, so wahr ich Friedel heiße! Kommst Du mit?